OBERNKIRCHEN. Das Rauschen des Meeres, die leisen Töne eines Baches – die Natur ist voller Musik, solange der Mensch nicht stört. Unter Wasser gibt es ganze Konzerte. Regina Ackmann hat sich intensiv mit „Musikalischen Wassern“ beschäftigt.

Der Einladung in die Stiftskirche zu einem Orgelkonzert folgte jetzt eine große Schar interessierter Menschen. Während draußen der Tag allmählich ausbrannte, gab es in der Kirche eine Kühlung, die gleichermaßen erwärmte. Das vermag die Musik, wenn sie so feinfühlig, bei entsprechendem Anlass aber auch klanggewaltig und überwältigend dargeboten wird.
Ein Lesetext ist zugleich Hörhilfe: Mit Georg Friedrich Händels „Wassermusik“ ging es hinein in die Welt der Gewässer. Das Orgelspiel wirkt dabei wenig sakral, eher majestätisch, leicht militärisch. Fanfaren sind zu hören. König Georg I. ist 1717 mit seinem Gefolge auf der Themse unterwegs. Das will musikalisch begleitet sein durch ein paar Boote, auf denen bestallte Musiker platziert sind.
In den 300 Jahren Musikgeschichte, die durch Werke von Johann Sebastian Bach, Bedrich Smetana, Camille Saint-Saëns und Noel Rawthorne repräsentiert werden, wird Wasser auf unterschiedlichste Weise zum Thema. Ist es bei Bach das lutherisch eingefärbte Taufwasser, das mit belastet anmutenden Tönen auf „ein neues Leben“ erst noch vorbereitet, da es Sünden abzuwaschen gilt, wirken die Melodien eher volkstümlich in der Geschichte, die Smetana in seiner Sinfonie von der „Moldau“ und den Menschen am Fluss erzählt. Wo Bauern Hochzeit halten, wird anders aufgespielt und getanzt als am Hofe. Hier herrscht Heiterkeit. Um dann die Welt der Burgen und Schlösser musikalisch zu illuminieren, bedarf es des vollen Sounds der Orgel. Nymphen treiben derweil ihr Spiel im wogenden Schilf.
Organistin Regina Ackmann hat sich von inspirieren lassen zu filigranem Fingerspiel. Flinke Fische springen wie angstfreie Kinder, Wasserblasen steigen chromatisch in schneller Folge auf, ein eitler Schwan posiert mit ausgebreiteten Flügeln – nur die Orgel greift weiter aus als der weiße Vogel.
Der Brite Noel Rawthorne hat der Künstlerin mit „Hornpipe Humo-resque“ Gelegenheit gegeben, musikalisch verspielt zu mäandern, etwa zwischen „Vier Jahreszeiten“ und „Brandenburgischem Konzert“. Es darf getanzt werden. Nein, nicht jetzt. Abstand, das 11. Gebot! Doch der Strom schwillt an auf dem Weg zum Ozean der Musik.
Ohne Zugabe wurde die gefeierte Organistin nicht entlassen, „Bravo“-Rufe ertönten. Pastorin Heike Köhler sprach sicher allen Gästen aus dem Herzen, als sie sich mit herzlichen Worten für das Ausnahmekonzert bedankte.

Quelle: SZLZ vom 12.08.2020, Autor Volkmar Heuer-Strathmann

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