OBERNKIRCHEN.
In diesen Tagen wird in der Stiftskirche daher aufgebaut, was in Wittenberg im Luther-Jubeljahr zu sehen und zu erleben war, und was dort in einem größeren Büroraum seinen Platz fand, zieht nun in die Stiftskirche um, für den Wiederaufbau.
Empfangen werden die Besucher im hinteren Bereich der Kirche, dort finden sich Empfangstresen und die Garderobe sowie einige Stühle mit Beitischen, in denen wiederum Tablets integriert sind:
Dort können Erwachsene und Kinder kleine Quiz zum Thema Taufe aufrufen, „Informationen auch für Menschen, die sich mit dem Thema Taufe noch nicht auseinandergesetzt haben“, erklärt Dr. Heike Köhler, die das Projekt schon in Wittenberg betreut hat.
Es geht weiter zu einem Tisch, er verbindet die Taufe mit dem Reformator. „Ich bin getauft“ schrieb Martin Luther mit Kreide vor sich auf den Tisch, wenn er Angst hatte, wenn er sich bedroht fühlte vom Teufel, vom Satan, der für ihn wirklich und real war.
„Ich bin getauft“: Diese drei Worte waren für ihn so etwas wie ein verschriftlichtes Amulett, das ihn beschützen sollte.
Auf den Tisch in der Stiftskirche können Besucher Botschaften hinterlassen, was ihnen wichtig war und ist, oder auch grüße, jeder, wie ihm beliebt.
Die Botschaften, so Köhler, könnte man ins Internet stellen, abends wird der Tisch kurzerhand wieder abgewischt. Der Weg führt weiter zu einer großen Liege, wer dort Platz nimmt, liest eine Botschaft über seinem Kopf: Du bist mein geliebtes Kind.“
Die Worte sind mit Bedacht gewählt, sie nehmen Bezug auf das Evangelium des Markus: Jesus aus Nazareth lässt sich von Johannes im Jordan taufen.
Als er aus dem Wasser steigt, öffnet sich der Himmel und eine Stimme spricht: „Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden.“
Nicht ganz unwichtig in den Zeiten der munter voranschreitenden menschengemachten Klimakatastrophe: Im Rahmen der Liege werden kleine Wasserflaschen bereitgestellt, die gegen eine kleine Spende erworben werden können, auch das hat sich in Wittenberg bewährt, „und es könnte ja wieder ein heißer Sommer werden“, erklärt Köhler.

Anschließend folgt das Herzstück, ein verdunkelter Raum, der Bild- und Klangraum, in dem ein sechsminütiger Film in Dauerschleife zu sehen sein wird, er wird vom Wasser erzählen, von Wassermassen, aber auch davon, wie man durch die Taufe als neuer Mensch geboren wird. Hier müssen die ehrenamtlichen Helfer ein Auge auf die Besucher haben, weil im Kinoraum höchstens Platz für 20 Besucher ist, „jeder sollte die Möglichkeit haben, den Film und den Raum auf sich wirken zu lassen,“ erklärt Köhler, und: „Er wirkt bei jedem Besucher unterschiedlich.“
Der Rundgang endet beim großen Taufstein, der bereits aufgebaut wurde, hier wird den Besuchern eine Tauferinnerung in Form eines Segens angeboten; schön wäre es, so Köhler, wenn man ein Gefühl dafür entwickle, wofür die Taufe auch stehe: Für die große Gemeinschaft der Christen – und mit der Taufe werde man ein Teil davon.
Das Vorbereitungsteam sucht noch Mitarbeitende, die Lust und Laune haben, sich auf diese Aufgabe einzulassen.
Und die Stille ist beim Konzept eine der wichtigsten Komponenten, damit sich das eigene, emotionale Erleben der Besucher entfalten kann.
Daher werden die Ehrenamtlichen eher im Hintergrund tätig sein.
Sie regeln den Empfang und laden zur Stille ein, sie achten darauf, dass keine Handys benutzt werden und nicht fotografiert wird, sie regeln die Dichte der Besucher, besonders bei Gruppen, sie stehen für Gespräche zur Verfügung.
Pastorin Köhler verweist auf einen anderen Aspekt: Ehrenamtliche, die von auswärts kommen würden, könnten im Westflügel des Stiftes übernachten und so abends noch Gemeinschaft und Gruppe erleben.
Eine Übernachtung, die kostenfrei sei.
Letzte Frage: Was ist auswärts? Rinteln?
Köhler: Ist eine Auslegungssache.
Vorkenntnisse für Mitmacher sind nicht erforderlich, der ErlebnisRaum Taufe schließt am 27. September, Informationen und Anmeldung unter:

heike.koehler@evlk.de

Wie einst in Wittenberg

VON FRANK WESTERMANN

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