In warme Farben gehüllt präsentiert sich vor der Corona-Pandemie ein Teil der hinteren Kirche, doch der erste Eindruck täuscht: Der „ErlebnisRaum Taufe“ wird nicht bedeuten, dass St. Marien innen illuminiert wird.

 

OBERNKIRCHEN. Dem Coronavirus zum Trotz: Rund sechs Wochen, nachdem der ursprünglich für Ostern geplante Start des „ErlebnisRaum Taufe“ in der Stiftskirche St. Marien wegen der Pandemie verschoben werden musste, geht das Projekt nun am Pfingstmontag, 1. Juni, um 12 Uhr an den Start.

„Nach zwei Monaten im Dornröschenschlaf und großer Ungewissheit, ob das Projekt überhaupt noch beginnen kann, hat der Landkreis Schaumburg das vom Lenkungskreis vorgelegte Hygiene-Konzept genehmigt“, freut sich Oberkirchenrätin Dr. Heike Köhler. Die Projektleiterin: „Der Kirchenvorstand Obernkirchen hat in seiner jüngsten Sitzung den besagten Starttermin festgelegt.“

Landesbischof Ralf Meister habe in einem Interview bei „Hallo Niedersachsen“ davon gesprochen, dass die Menschen in dieser Zeit „Trosträume“ besonders brauchen. Köhler: „Wir sind sehr froh, dass mit dem ErlebnisRaum Taufe nun ein weiterer Trostraum zur Verfügung stehen wird.“ Das Technikteam um Ulrike Tüpker nehme jetzt die durch Corona unterbrochenen Arbeiten wieder auf. „Etwa 80 Prozent waren ja bereits abgeschlossen, als Corona die Installation in der Stiftskirche jäh unterbrach“, erinnert Köhler. Nun gehe es im Wesentlichen darum, d
ie Technik im Gotteshaus einzuspielen.

Herzstück des ErlebnisRaums Taufe wird eine Multi-Media-Installation sein – ein Film, der von der Berliner Agentur M-Box zu Martin Luthers Tauf-Theologie entwickelt wurde. „Es handelt sich um ein etwa sechsminütiges und von vier Beamern in Szene gesetztes Video, das in einem Loop, also einer Schleife, in einer 180 Grad Projektion läuft und das Thema Taufe aufnimmt“, so die Rintelnerin. Dazu sei eigens Musik komponiert worden. Die Lichttechnik werde speziell auf den Sakralbau abgestimmt. „Besucher des ErlebnisRaums werden das Gefühl haben, mitten in dem Film zu sein“, sagt Köhler. Das Ganze sei ein „sehr emotionales Erlebnis“.

Dass das in allen Kirchengemeinden der Landeskirche beworbene Projekt in der Bergstadt gut ankommen wird, steht für Köhler außer Frage. Denn der ErlebnisRaum Taufe hatte einen Vorläufer, der vor drei Jahren in der Lutherstadt Wittenberg gezeigt wurde. Rund 10 000 Menschen erlebten dort damals das von der Ev.-luth. Landeskirche Hannover in Szene gesetzte Thema im Reformationsjubiläumsjahr mit allen Sinnen. Sie tauchten ein in die 180-Grad-Projektion, konnten über Tablets Wissenswertes zum Thema Taufe erfahren und sich am 500 Jahre alten Taufbecken aus der Kirchengemeinde Hülsede eine persönliche Tauferinnerung zusprechen lassen. Besagter Taufstein aus Hülsede ist bereits am 21. Februar in die Stiftskirche eingezogen. Die Firma Meier Naturstein aus Obernkirchen hatte ihn wohlbehalten auf- und wieder abgeladen.

Köhler hatte bereits den Wittenberger ErlebnisRaum Taufe betreut. Dass er nun in Obernkirchen neu installiert wird, „das war wie so vieles im Leben Zufall“, schmunzelt die Projektleiterin. Der Verein „Treff im Stift“ um Werner Hobein habe als Jahresthema gerade „Wasser“ gehabt, als Hobein bei einem Geburtstag den ErlebnisRaum Taufe, bei dem es ja auch um Wasser geht, ins Spiel brachte. „Kannst du nicht eben mal mit deinem ErlebnisRaum bei uns vorbei kommen?“, habe Hobein gefrotzelt. Das „eben mal“ sei zwar nicht gegangen, denn dafür sei das Ganze zu aufwendig – aber das Projekt sei trotzdem Obernkirchen konform aufs Gleis gesetzt worden.

Stichwort Hygiene-Konzept: Im ErlebnisRaum Taufe gelten selbstverständlich die bekannten Hygienevorschriften. Die Mitarbeiter werden im Vorfeld in das Hygienekonzept eingewiesen. Die Organisatoren bitten Besucherinnen und Besucher um das Tragen von Mund-Nasen-Schutz. Eine Handdesinfektion steht bereit. Die Anzahl der Besucherinnen und Besucher, die den ErlebnisRaum gleichzeitig besuchen können, wird allerdings begrenzt. Zur Zeit steht der Besuch des ErlebnisRaums Taufe nur Einzelpersonen oder den nach den geltenden Hygienevorschriften sich zusammenfindenden kleinen Gruppen zur Verfügung.

Angesichts der besonderen Situation werden die Organisatoren zunächst reduzierte Öffnungszeiten anbieten und Erfahrungen sammeln, wie der ErlebnisRaum Taufe von den Besuchern angenommen wird. Im Einzelnen: Pfingstmontag ist der ErlebnisRaum von 12 bis 18 Uhr geöffnet. Die vorläufigen reduzierten Öffnungszeiten danach: freitags, 15 bis 18 Uhr; samstags, 15 bis 18 Uhr, sonntags, 11 bis 16 Uhr. Aufgebaut bleiben soll die Installation bis zum 27. September. Allerdings wird in St. Marien nur ein Teil der Kirche genutzt. Der Südteil, das Kirchenschiff, ist nicht mit eingeplant, schließlich wird der normale Gemeindebetrieb ja während der langen Ausstellung weiterlaufen.

Köhler: „Mit Ausnahme des aus der Stiftskirche via Deutschlandfunk übertragenen Radio-Gottesdienstes mit Bischöfin i.R. Dr. Margot Käßmann am Sonntag, 28. Juni, um 10 Uhr steht noch nicht fest, ob und in welcher Form die bisher geplanten Veranstaltungen stattfinden können.“ Aktuelle Informationen entnehmen Interessierte der Homepage www.erlebnisraumtaufe.de.
Allerdings: Bereits am Vortag des Radio-Gottesdienstes gibt es am Samstag, 27. Juni, um 17 Uhr eine Generalprobe. Sie empfiehlt sich sicherheitshalber für alle diejenigen, die am 28. Juni unbedingt dabei sein wollen, aber nicht wissen, ob sie vor dem Hintergrund der Abstands- und Hygieneregeln an jenem Tag einen Platz in der Kirche bekommen

THOMAS WÜNSCHE, SZ vom 27.05.2020.

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