OBERNKIRCHEN. Mit knapp siebenwöchiger Verspätung ist am Pfingstmontag der „ErlebnisRaum Taufe“ in der Stiftskirche Obernkirchen eröffnet worden. Ursprünglich sollte der feierliche Akt schon Ostern über die Bühne gehen, das Coronavirus machte dem Vorhaben allerdings einen Strich durch die Rechnung.
Doch worum geht es bei dem planungsintensiven Projekt überhaupt? Im Fokus steht der namensgebende Prozess der Taufe. Dazu befindet sich in der Kirche eine eigens aufgebaute, völlig verdunkelte Kammer, in der ein sechsminütiger Film zu Martin Luthers Tauf-Theologie läuft. Besucher können sich den Film nicht nur auf einem normalen Bildschirm ansehen, viel mehr wird er durch vier Beamer als 180-Grad-Projektion in Szene gesetzt. Durch die dichte Atmosphäre und die eigens komponierte Musik entstehen faszinierende Momente in der Stiftskirche. Laut Pastorin Heike Köhler, Projektleiterin des „ErlebnisRaumes“, handele es sich um ein „sehr emotionales Erlebnis“. Als weiterer Höhepunkt laden Tablets die Interessierten ein, sich weiter mit der Thematik Taufe zu befassen. Außerdem lädt ein Ruheraum zum Nachdenken ein.

Am Pfingstmontag fiel nun auch endlich der verspätete Startschuss. Der strahlende Sonnenschein und warme Temperaturen sorgten dafür, dass der kleine Freiluft-Gottesdienst für alle Beteiligten ein schönes Erlebnis wurde. Gleichzeitig konnten die Abstandsregelungen so mit genügend Distanz eingehalten werden. In einer kurzen Ansprache eröffnete Köhler die Zeremonie und richtete ihren Dank darin an alle Helfer, die die Ausstellung möglich gemacht haben. Dasselbe gelte für die Sponsoren. Die Freude über die Eröffnung sei groß, vor allem vor dem Hintergrund, dass gut eineinhalb Jahre Arbeit in die Schaffung des „ErlebnisRaums“ geflossen seien. Dankende Worte richtete Köhler ebenfalls an Ulrike Tüpker, die mit ihrem Technik-Team viel Zeit und Arbeit investierte, um die Ausstellung zu ermöglichen.

Auch Landesbischof Ralf Meister, der trotz der Terminverschiebung mit seiner Ehefrau gekommen war, richtete in Form einer Andacht einige Worte an die Gemeinde. Für ihn sei der „ErlebnisRaum“ ein „Ruhe-Raum“, von denen es in der oftmals stressigen Zeit ruhig mehr geben könne, so Meister. Gerade in jener schnellen Zeit seien Werte wie Demut, Sanftmut und Geduld wichtig. Dazu passend nannte er die „zusammengehörende Verschiedenheit“ aus altem Gemäuer und moderner Technik in der Stiftskirche einen Erfolg für alle Beteiligten. Kurz darauf startete Meister seine Entdeckungstour und schaute sich den „ErlebnisRaum“ mit seiner Frau an – natürlich ausgestattet mit Mund-Nase-Schutz und desinfizierten Händen, denn das Hygiene-Konzept wurde jüngst vom Landkreis genehmigt.

Das Ehepaar Inge und Dietrich Molitor besuchte am ersten Öffnungstag den „ErlebnisRaum“: „Es ist eine tolle Geschichte, ein Projekt für Alt und Jung und ein Erlebnis, das in unsere Zeit passt“, so Dietrich Molitor. Seine Frau zeigte sich überdies begeistert von dem 500 Jahre alten Taufstein aus der Kirchengemeinde Hülsede, der bereits seit dem 21. Februar in der Kirche weilt und eine Verbindung zum Thema Taufe schafft. Dank dieser Verbindung des „ErlebnisRaums“ mit dem Beginn des christlichen Lebens, ist der Ort nicht umsonst ein Ort des Ursprungs.

Quelle: SZ vom 03.06.2020, Malick Volkmann

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