Erlebnis-Raum Taufe

Das war der Beitrag der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers für die Weltausstellung Reformation in Wittenberg 2017.

Das mit dem „WOW“ Effekt hat auf jeden Fall geklappt.

Beim Betreten des Erlebnisraumes sollte sofort Verwunderung, Staunen, Verwirrung ausgelöst werden um die Gäste möglichst rasch in eine andere Wahrnehmungsebene mitzunehmen. Da wir für ein Entree, wie wir es aus Museen kennen keinen Platz hatten inszenierten Claudia Peter und ich diesen Effekt direkt hinter der Eingangstür.
Hochflooriger Teppichboden, blaues, indifferentes Licht, konturenauflösende Stoffverspannungen an Wänden und Decke, ungewohnte Möbelformen und die Reduktion auf das Wesentliche schufen dieses besondere Ambiente auf materieller Ebene.
Die emotionale Einstimmung erfolgte durch Klänge der multimedialen Inszenierung der Agentur M-Box, die bereits im Empfangsbereich zu hören waren und durch die Abwesenheit von Kommunikation.
Nicht Sprechen bitte! Nicht gleich den Austausch suchen! Erst einmal nur Wahr-Nehmen. Nur mit sich selbst konfrontiert zu sein, einzutauchen in die Farben, Klang – und Materialwelt dieser Rauminszenierung, das war für manche Gäste eine echte Herausforderung.

 

Die meisten haben sie angenommen – viele haben sich ganz einlassen können in die besondere Stimmung des Raumes. Sie sind eingetaucht in die assoziativen, Bilder und Klänge der Wasser- und Lichterwelten, die von den Szenografen zum Thema Taufe komponiert wurden. Sie sind wieder aufgetaucht aus dieser Bilderwelt und fanden sich in einer Goldenen Kammer wieder – mit einem alten Taufstein, der dort auf alle wartet, geduldig, still, archaisch – ein krasser Schnitt. Wieder ankommen – auf Erden.
Und fast alle suchten dann auch den Kontakt. Denn dort, am Taufstein war ja immer noch ein Mensch! Freundlich, zurückhaltend – Segen anbietet – Nähe von Mensch zu Mensch für einen kleinen Moment. Was für ein Geschenk!
Bewegend, dies über all die Wochen und Monate Miterleben zu dürfen. Auch das, was sich teilweise durch das Sein in diesen Räumen unter den Mitarbeitenden entwickelte. Wir brauchen wohl solche Räume. Dass es danach eine große Sehnsucht gibt, hat uns der Erfolg in Wittenberg gezeigt. Stille Räume: Ungewohnt, Schön, Ruhig, Einfach, Schlicht.
An solchen Orten kann sich Spiritualität entfalten.
Ulrike Tüpker im September 2017
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